21.10.2012
Welttag des Stotterns: Lieber stottern als schweigen!
Der heutige Welttag des Stotterns steht unter dem Motto "A voice and something to say". Die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe und berühmte Betroffene wie der Sänger von "Unheilig" appellieren an stotternde Menschen, Mut zu haben und offen mit ihrer Redeflussstörung umzugehen...
Zum Welttag des Stotterns am 22. Oktober ruft "Der Graf", Sänger der Band "Unheilig" und selbst Betroffener, gemeinsam mit der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS) dazu auf, offensiv mit der Sprechbehinderung umzugehen. Das diesjährige Welttagsmotto „A voice and something to say“ übertragen Sänger und Selbsthilfevereinigung dazu in eine einfache Formel: Lieber stottern als schweigen!
Etwa 1% aller Menschen stottert, mehr als 800.000 sind es allein in Deutschland. Die Redeflussstörung beginnt fast immer im Kindesalter, überdauert sie die Pubertät, bleibt das Stottern in der Regel ein Leben lang. „Stottern ist aber kein unabänderliches Schicksal, Sie müssen Ihr Leben nicht von Stottern beherrschen lassen“, ermutigt Dr.
Martin Sommer, Vorsitzender der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. Der Göttinger Neurologe weiß, dass „bei stotternden Menschen das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte vereinfacht gesagt anders funktioniert als bei nicht stotternden Menschen“. Dennoch hält sich hartnäckig das Bild des dummen, verklemmten Stotterers in der Öffentlichkeit. „"Der Graf" bietet ein positives Vorbild für Stotternde und trägt mit seiner Offenheit viel zum Abbau von Vorurteilen bei“, freut sich Sommer, der selbst seit seiner Kindheit stottert.
Auch "Der Graf" wurde schon mit Vorurteilen konfrontiert, weil er stottert wurden seine Fähigkeiten unterschätzt. „‘Such dir einen Beruf, wo du vor niemandem reden musst, sonst lachen dich alle aus‘, sagte mir ein Lehrer damals.“. Zu Anfang seiner Musikerkarriere versuchte er noch, seine Redeschwäche hinter anderen Dingen zu verstecken. Der Umgang mit Musik sowie zahlreiche Gespräche mit seinen Fans, aber auch die immer häufigeren Interviews ließen ihn erkennen, welche Kraft in der Wahrheit liegt. Seitdem sagt er klar und selbstbewusst: „Ich stottere und das Stottern gehört zu mir und zu meinem Leben dazu. So bin ich und so bleibe ich. Dafür brauche weder ich mich, noch jemand anders sich zu schämen“.
Musik war und ist für den "Graf" wie eine Therapie, „die Musik ist wie meine eigene Sprache mit der ich meine Gefühle ausdrücken kann.“ Es gibt viele Möglichkeiten, mit Stottern umzugehen. Der Kontakt zu anderen Stotternden kann ebenfalls helfen, darauf macht Sommer aufmerksam. „In einer Stotterer-Selbsthilfegruppe treffen Sie Menschen, die etwas für sich ändern möchten. Gemeinsam fällt das leichter und jeder profitiert von den Erfahrungen des anderen.“
Kontakt zu anderen Betroffenen
Selbsthilfegruppen vermittelt die BVSS (www.bvss.de). Der gemeinnützige Verein bietet darüber hinaus Unterstützung bei der Suche nach Stottertherapeuten und eine unabhängige Fachberatung, bei der sich Stotternde und Eltern stotternder Kinder sachlich über die verschiedenen Therapiemethoden informieren können.
Quelle: Pressemitteilung der Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. (BVSS)
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