30.10.2013
Unterversorgung von Allergikern: Wenige Behandlungen trotz wirksamer Therapie
Der allergische Schnupfen ist eine der häufigsten Atemwegserkrankungen und die häufigste immunologische Erkrankung überhaupt. Obwohl gut therapierbar, bleiben Allergien in Deutschland oft unbehandelt. Allergien gehören zu den Schwerpunktthemen der 47. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte, die vom 31. Oktober bis 2. November 2013 in Mannheim stattfindet...
Allergiepatienten durchlaufen häufig einen so genannten allergischen Marsch, erklärt Prof. Dr. Ludger Klimek: „Der Beginn der atopischen Erkrankung liegt häufig bereits im Kindesalter mit Symptomen eines hyperreagiblen Bronchialsystems, einer Nahrungsmittelunverträglichkeit oder einer Neurodermitis und entwickelt sich dann weiter zu einer allergischen Rhinitis oder zu einem Asthma bronchiale.“ Zudem entwickelten sich im Laufe der „Krankheitskarriere“ häufig Reaktionen auf weitere Allergene oder weitere Organe gerieten in Mitleidenschaft.
Aufgrund der weiten Verbreitung und der weltweiten Bedeutung allergischer
Erkrankungen habe die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2001 in ihrer Initiative „Allergic Rhinitis and its Impact on Asthma (ARIA)“ eindeutige
Empfehlungen für eine frühzeitige und ursächliche Behandlung von Allergien
gegeben. Diese würden in Deutschland jedoch kaum beachtet, stellt Prof. Klimek fest. Nur bei 7% der Heuschnupfen-Patienten und 5% der Asthmatiker werde eine ursächliche Therapie durch eine Hyposensibilisierung durchgeführt. „Die Gründe dafür liegen in einem schlechten Honorarsystem und somit einem Rückgang der Anzahl von Ärzten, die Allergiker versorgen“, erklärt Prof. Klimek. Im System der Regelleistungsvolumen würden Allergiediagnostik und insbesondere die langwierigen Hyposensibilisierungsbehandlungen für die Ärzte viel zu schlecht oder sogar überhaupt nicht honoriert.
Dies geschehe, obwohl heute weltweit akzeptiert sei, dass diese Behandlung als einzige Therapie eine ursächliche und nachhaltige Verbesserung der allergischen Reaktionslage bewirken könne, erläutert der Wiesbadener Professor. Dabei habe sich die Situation in den letzten Jahren weiter zugespitzt: „Die Zahl der Praxen, die die Hyposensibilisierungstherapie durchführen, nahm zwischen 2007 und 2010 nochmals um 13% ab. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Asthma-Patienten um 8,7%.“ Die Zahlen, so Prof. Klimek, machten die dramatische Unterversorgung von Allergikern in Deutschland deutlich.
Pressemitteilung
47. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
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