21.09.2015
Tinnitus-App als Therapie-Modul auf Rezept
Mit Lieblingsmusik gegen Tinnitus - die Therapie-App "Tinnitracks" gibt's jetzt auf Rezept...
Bundesweit leiden rund 3 Millionen Menschen an einem Tinnitus. Mit einer neuen Behandlungsform will die Techniker Krankenkasse (TK) betroffenen Versicherten helfen und bezahlt als erste gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland die Tinnitracks-App. Alles, was die Patienten für die Therapie benötigen, sind ein Smartphone und passende Kopfhörer.
Hinter dem mehrfach ausgezeichneten Medizinprodukt steckt die Idee, dass das Hören von speziell frequenzgefilterter Musik die überaktiven Nervenzellen im Gehirn, die für den Dauerton verantwortlich sind, beruhigt und so das störende Ohrengeräusch nachhaltig reduziert.
Vor der Behandlung zum HNO-Arzt
Das Angebot sieht zudem die fachärztliche Begleitung der Patienten vor. Dazu hat die TK den Versorgungsvertrag auch mit dem Deutschen Berufsverband Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. geschlossen. Dr. Dirk Heinrich, Präsident des Bundesverbandes: "Wir HNO-Ärzte wollen bei diesem neuen Verfahren sicherstellen, dass alle möglichen Ursachen für Tinnitus vor Behandlungsbeginn von uns geklärt werden und freuen uns, dass dann mit Tinnitracks ein hoffnungsvolles neues Therapieverfahren nun zu einer breiteren Anwendung kommt."
Bevor die Tinnitracks-Behandlung losgehen kann, muss ein Hals-Nasen-Ohrenarzt die jeweilige Tinnitus-Frequenz bestimmen. Zusammen mit der Lieblingsmusik wird diese Information auf den Tinnitracks-Server hochgeladen, wo ein elektronischer Filter die Therapieeignung der Musikstücke prüft und aus den geeigneten genau den Frequenzbereich des individuellen Tinnitustons entfernt. Die gefilterten Signale stimulieren auf diese Weise nur die Nervenzellen, die außerhalb der Tinnitus-Frequenz des Betroffenen liegen und hemmen die gereizten Zellen. Die Verwendung der eigenen Lieblingsmusik hat einen weiteren Vorteil: Zum einen werden dadurch positive Emotionen ausgelöst und zum anderen durch die Hormonausschüttung Lernvorgänge im Gehirn begünstigt, die sich positiv auf die Nervenzellen auswirken, die den Tinnutus verursachen.
Ab Oktober 2015 kann die Tinnitracks-Behandlung von TK-Versicherten in Anspruch genommen werden. Das Ziel: Erste Erfahrungen mit Tinnitracks als Behandlungsalternative unter Routinebedingungen zu sammeln und das Behandlungskonzept bei Erfolg bundesweit auszurollen. "In der vergangenen Zeit haben sich Apps einen Weg in die Gesundheitsversorgung gebahnt und werden dort künftig einen festen Platz einnehmen. In der Tinnitracks-App sehen wir eine gute Möglichkeit zur konventionellen Therapie und wollen damit einen Teil zur digitalen Versorgung beitragen", erklärt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. Insgesamt machen rund 30 Hals-Nasen-Ohrenärzte in Hamburg beim Projekt mit. Patienten können unabhängig von ihrem Wohnort teilnehmen, wenn sie bei einem dieser Ärzte in Behandlung sind.
Weitere Informationen finden Sie hier:
http://www.tk.de/tk/spezielle-behandlungsangebote/tinnitus/020-tinnitracks/746400
Quelle: tk-online.de
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