26.04.2012

Stark vergrößerte Rachenmandel lässt Kleinkinder schnarchen

Kleinkinder mit einer stark vergrößerten Rachenmandel schnarchen vermehrt. Die daraus resultierenden Schlafstörungen können laut einer Beobachtungsstudie zu Verhaltensauffälligkeiten am Tage führen...

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Eine vergrößerte Rachenmandel kann bei Kleinkindern die Nasenatmung stark erschweren, so dass die Betroffenen nachts schnarchen. Daher gehört eine Rachenmandelwucherung neben Übergewicht zu den häufigen Ursachen für Schlafstörungen, die laut einer aktuellen Studie wiederum Auswirkungen auf das Verhalten am Tage haben können. Demnach zeigen Kleinkinder mit Schlafproblemen öfter Verhaltensauffälligkeiten wie Hyperaktivität als Kinder, die gut schlafen.

In der Studie wurden mehr als 11.000 Kinder aus England beobachtet. Im Alter von 6 bis 69 Monaten wurden die Eltern zu Schlafproblemen ihres Nachwuchses befragt, ob ihre Kinder z.B. mit offenem Mund schlafen, schnarchen oder sogar Atemaussetzer haben. Die Ergebnisse wurden von Wissenschaftlern des Albert Einstein College of Medicine in New York mit den späteren Angaben der Eltern zu Verhaltensauffälligkeiten ihrer Kinder zwischen 4 und 7 Jahren verglichen. Demnach wurden Kinder mit den schlimmsten Schlafstörungen, die ihren Gipfel im Alter von 2,5 Jahren erreichten, im Alter von 7 Jahren zu 85% häufiger als hyperaktiv beschrieben als gesunde Schlafkinder. Die „Schlaflosen" zeigten zu 60% ein aus Sicht der Eltern schwieriges Verhalten und neigten zu 37% öfter zu Streitigkeiten mit Gleichaltrigen. Kinder, die im späteren Vorschulalter nächtliche Atemstörungen hatten, waren im Alter von 7 Jahren zu 88% häufiger hyperaktiv und sie hatten zu 65% öfter emotionale Probleme.

Laut der American Academy of Otolaryngology Health and Neck Surgery schnarcht eines von zehn Kindern regelmäßig und etwa 2 bis 4% haben eine Schlafapnoe mit kurzen Atemaussetzern. Die Mediziner vermuten, dass die wiederholten Atemaussetzer über den Abfall der Sauerstoffsättigung des Blutes und den Anstieg des CO2-Wertes dem Gehirn schaden könnte. Auch die fehlende Erholung im Schlaf könnte die Entwicklung in wichtigen Gehirnregionen wie dem präfrontalen Cortex stören, die für das spätere Sozialverhalten der Kinder wichtig sind. Die Wissenschaftler empfehlen daher, Kinder mit Schlafstörungen bis hin zur Schlafapnoe vom HNO-Arzt auf mögliche Ursachen hin untersuchen zu lassen. Bei einer stark vergrößerten Rachenmandel (nicht zu verwechseln mit den Gaumenmandeln) ist eine chirurgische Entfernung anzudenken. Bei übergewichtigen oder fettleibigen Kindern kann eine Ernährungsumstellung mit resultierender Gewichtsreduktion helfen.

Eine Erfolgsgarantie gibt es aber nicht. Denn auch die Studienergebnisse selbst sind unter Vorbehalt zu betrachten, da es in Beobachtungsstudien nicht sicher ist, ob die entdeckte Assoziation auch ursächlich ist.

Quelle: aerzteblatt.de
pediatrics.aappublications.org/content/early/2012/02/29/peds.2011-1402.abstract