08.01.2019

Schwindel: zügige Diagnose und Behandlung sind wichtig

Einem attackenartigen Drehschwindel, der plötzlich auftritt, liegt meistens ein sogenannter gutartiger Lagerungsschwindel zugrunde. Betroffene sollten frühzeitig einen HNO-Arzt aufsuchen.

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Einem attackenartigen Drehschwindel, der oft nach unbewussten Bewegungen im Schlaf auftreten kann, liegt meistens ein sogenannter gutartiger Lagerungsschwindel zugrunde. „Bei dieser Erkrankung handelt es sich um die häufigste Schwindelerkrankung überhaupt“, so Prof. Dr. Leif Erik Walther aus Sulzbach im Taunus. „Der Drehbeschleunigungssensor in den Bogengängen wird bei dieser Erkrankung urplötzlich wie ein Schalter umgelegt. Dabei entstehen heftige Schwindelempfindungen, die mit Übelkeit und einem länger andauerndem Gefühl der Unsicherheit und des Schwankens einhergehen können“, erklärt Prof. Walther weiter.

Abgelöste Ohrsteinchen lösen Lagerungsschwindel aus

Ursache ist eine Ablösung von kleinen Steinchen, den sogenannten Otokonien, im Gleichgewichtsorgan. Diese Ohrsteinchen sind Bestandteile der Schwerkraftorgane im Innenohr. Beim Lagerungsschwindel funktionieren diese Schwerkraftorgane nicht mehr richtig, weil die Steinchen beschädigt sind. Sie verlieren dann den Kontakt zum Schwerkraftorgan, gelangen in die Innenohrflüssigkeit und von dort in die nahe gelegenen Bogengänge, was einen sehr heftigen Drehschwindel verursacht“, berichtet Prof. Walther. Die Ablösung der Otokonien kann bei unbewussten Kopf- und Körperbewegungen, beim Aufstehen, Hinlegen oder nächtlichem Drehen im Bett passieren.

HNO-Arzt hilft mit gezieltem Lagerungsmanöver

Die verirrten Steinchen können mit verschiedenen Methoden wieder aus den Bogengängen herausgeholt werden. Oft hilft beispielsweise ein gezieltes Lagerungsmanöver von Kopf und Körper. „Voraussetzung ist eine richtige und zügige Identifizierung der Erkrankung. Denn vor allem ältere Personen sind sturzgefährdet, wenn die Erkrankung nicht rechtzeitig erkannt und frühzeitig behandelt wird. Der betroffene Patient sollte am besten einen HNO-Arzt konsultieren. Dieser beherrscht Diagnose- und Therapieverfahren, um den Patienten zügig zu helfen“, rät Prof. Walther.

Quellen:

  • Walther, L. E., et al., Detection of human utricular otoconia degeneration in vital specimen and implications for benign paroxysmal positional vertigo, Eur Arch Otorhinolaryngol, 2013 Otology, DOI 10.1007/s00405-013-2784-6
  • Walther, L. E., et al., Gentamicin-induced structural damage of human and artificial (biomimetic) otoconia, Acta Oto-Laryngologica, 2013, DOI 10.3109/00016489.2013.849384
  • Walther, L. E., et al., The Inner Structure of Human Otoconia, Otology & Neurotology, 2013

äin-red