06.01.2015

Schwerhörigkeit: Experten fordern Lösungen auf EU-Ebene

Hörbeeinträchtigungen betreffen Millionen ältere Menschen in Europa. Dies betonten Experten auf dem European Health Forum Gastein. Eine neue Studie zeigt zudem, dass Hörhilfen den kognitiven Abbau, der auch im Zusammenhang mit einem Hörverlust steht, verlangsamen können...

Bildquelle: ©sculpies / Fotolia.com

Hörbeeinträchtigungen betreffen Millionen ältere Menschen in Europa. Hörverlust könnte aber laut Experten vielfach verhindert, früher diagnostiziert und besser kompensiert werden. Dr. Pierre Anhoury, Vorstand der französischen Organisation ‚Agir Pour l'Audition’ (Handeln für das Hören), plädierte daher auf dem European Health Forum Gastein (EHFG) Ende 2014 für neue ökonomische Lösungen, um die Versorgung älterer Menschen mit Hörgeräten sicherzustellen: „Es ist höchste Zeit, dass auf EU-Ebene reagiert wird.“

Dass zwischen Hörverlust und kognitivem Abbau ein Zusammenhang besteht, wurde unter anderem in einer 2011 publizierten Untersuchung nachgewiesen. Eine neue französische Studie, deren Veröffentlichung für 2015 geplant ist, soll nicht nur die Korrelation zwischen Hörverlust und Demenz bestätigen, sondern erstmals auch Hinweise darauf geben, dass Hörgeräte den kognitiven Abbau bremsen. „Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Maßnahmen gegen die Unterdiagnose und Unterversorgung des Hörverlusts, vor allem bei älteren Menschen“, erklärte Dr. Anhoury. Allein in Frankreich sind 10 Millionen ältere Menschen schwerhörig.

Während die wissenschaftlichen Grundlagen des Zusammenhangs zwischen Hörverlust und Demenz noch nicht vollständig geklärt sind, geht man derzeit davon aus, dass bei zunehmender Taubheit mehr kognitive Ressourcen der auditiven Verarbeitung gewidmet werden, womit weniger Ressourcen für andere Vorgänge wie das Arbeitsgedächtnis verfügbar sind.

Hörverlust betrifft auch Junge

Dr. Anhoury betonte, dass das Risiko sozialer Isolation und anderer Probleme aufgrund eines Hörverlusts – der zunehmend auch jüngere Leute betrifft – unbestritten seien. Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts IPSOS im Jahr 2012 unter jungen Menschen in Frankreich zeigte, dass 52% länger als eine Stunde täglich Musik über Kopfhörer hören, 43% mit ihren Kopfhörern einschlafen und 84% in öffentlichen Verkehrsmitteln die Lautstärke erhöhen. „Hörverlust betrifft nicht nur die Ohren, sondern auch das Gehirn“, so Dr. Anhoury.

Notwendig seien das Erheben epidemiologischer Daten, Maßnahmen zur Früherkennung von Hörverlust in allen Altersklassen und die Identifizierung der Probleme, die durch Hörverlust entstehen. Gefragt seien neue Lösungen zur Finanzierung rehabilitativer Hörtechnologien, sagte der Experte. Der 10-Punkte-Plan seiner Organisation fordert EU-weite Maßnahmen, unter anderem eine Kampagnen zur Aufklärung junger Menschen über Hörschäden, Früherkennung vor allem bei Über-60-Jährigen, frühere und bessere Rehabilitation, Implementierung der EU-Qualitätsnorm (EN 15927) für Dienstleistungen in der Hörakustik in allen EU-Ländern, die Verbreitung evidenzbasierter Leitlinien, Industriepartnerschaften für leistbare Hörgeräte, neue Modelle, um mehr Menschen den Zugang zu Hörhilfen zu ermöglichen, etwa durch Preiskontrollen, und angemessene finanzielle Unterstützung.

Quelle: www.idw-online.de, www.ehfg.org

Dateien:
Menschenmasse_03.jpg86 Ki