20.11.2012
Hörprobleme können Gedächtnisleistung beeinträchtigen
Eine aktuelle Untersuchung des Max-Planck-Instituts zeigt, dass schwerhörige Menschen durch ihre Hörprobleme vermutlich auch in ihren Gedächtnisleistungen beeinträchtig sind...
Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass schwerhörige Menschen durch ihre Hörprobleme vermutlich auch in ihren Gedächtnisleistungen beeinträchtig sind. Forscher des Max-Planck-Instituts in Leipzig haben herausgefunden, dass die Aufnahme schlechter akustischer Signale die gleichen begrenzten Ressourcen im Gehirn verbraucht, die wir auch für unser Kurzzeitgedächtnis benötigen. Für Menschen mit starken Hörstörungen, die Sprachsignale verzerrt oder mit störendem Rauschen wahrnehmen, könnte das bedeuten, dass sie unter permanenter kognitiver Doppelbelastung stehen.
Im Rahmen der Studie mussten sich Testpersonen verschiedene Zahlen vom Tonband merken. Dabei wurde sowohl die Länge der Zahlenfolgen als auch die Qualität des Sprachsignals variiert. Nach einer guten Sekunde wurden die Probanden gefragt, ob eine bestimmte Zahl vorgekommen war.
Während der Aufgabenstellung beobachteten die Wissenschaftler mit bildgebenden Verfahren (Magnetenzephalografie) die sogenannten Alpha-Wellen im Gehirn. Diese Schwingungen der Hirnaktivität gelten als Maß dafür, wie beschäftigt das Kurzzeitgedächtnis ist. Wie erwartet waren die Wellen umso stärker, je mehr Zahlen abgespeichert werden mussten. Jedoch war die Alpha-Intensität auch davon abhängig, wie hoch oder niedrig das Sprachsignal aufgelöst war. Je schwieriger die Zahlen zu verstehen waren, desto mehr Alpha-Aktivität trat auf. Schlechte Akustik verbraucht demnach die gleichen kognitiven Speicher wie das Aufnehmen des sprachlichen Inhaltes selbst.
Das Kurzzeitgedächtnis hat ein natürliches Limit, d.h. wenn anspruchsvolle Inhalte auch noch akustisch schwer zu verstehen sind, könnte das zu einer schnelleren Überlastung führen und Teile des Gesprächs könnte man sich nicht mehr merken. Dies erklärt auch, warum es bei hohen Geräuschpegeln, etwa auf einer lauten Party, selbst für gut hörende Menschen anstrengend ist, einer Unterhaltung zu folgen.
Menschen mit Hörschäden und Gehörlose mit sogenanntem Cochlea-Implantat betrifft dieses Ergebnis besonders, denn sie nehmen Sprache dauerhaft unter akustisch widrigen Bedingungen wahr. In weiteren Studien wollen die Forscher nun genauer untersuchen, wie sich die Belastungen auf Hirnebene auswirken.
Quelle: Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, www.mpg.de
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