30.10.2015

HNO-Heilkunde bietet Nachwuchs viele Möglichkeiten

Im Rahmen der 49. HNO-Fortbildungsveranstaltung vom 29. bis 31. Oktober 2015 in Mannheim stellen die Hals-Nasen-Ohrenärzte die Entwicklung ihres breitgefächerten Faches vor...

Bildquelle: ©klickerminth - Fotolia.com

Hals-Nasen-Ohrenärzte behandeln Patienten aller Altersgruppen – von der Geburt bis ins Greisenalter, erklärt Dr. Jan Löhler vom Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte. Breit gefächert sei auch die Palette diagnostischer und therapeutischer Verfahren, die heute in der HNO-Heilkunde zum Einsatz kommt. Dr. Löhler: „Die HNO-Heilkunde hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt und steht heute in der Mitte der Medizin.“ Die zentrale Verortung innerhalb der Fachdisziplinen, die große Bandbreite unterschiedlicher Krankheitsbilder sowie zahlreiche Spezialisierungsmöglichkeiten machen die Hals-Nasen-Ohrenheilkunde heute für den Nachwuchs interessanter denn je, betont Dr. Jan Löhler. Der HNO-Berufsverband unterstütze junge Mediziner mit verschiedenen Angeboten.

Wie komplex Diagnose und Therapie in der HNO seien können, beschreibt HNO-Arzt Dr. Löhler am Beispiel der Schwerhörigkeit in verschiedenen Altersstufen: „Schwerhörigkeit ist ein Symptom, das viele Ursachen haben kann und weit in der Bevölkerung verbreitet ist. Jeder fünfte erwachsene Bundesbürger ist relevant schwerhörig. Nur 16% der Bedürftigen tragen ein Hörgerät. Um die Versorgungssituation zu verbessern und eine Verschlimmerung der zugrundeliegenden Erkrankung zu verhindern, ist ein Screening auf Schwerhörigkeit erforderlich.“ Denn unbehandelte Erkrankungen, die mit Schwerhörigkeit einhergehen, können gefährliche Komplikationen verursachen, warnt der HNO-Experte. „Auftreten kann zum Beispiel ein Cholesteatom, also ein einwucherndes Perlgeschwulst mit nachfolgender chronisch-eitriger Entzündung des Mittelohres. Daneben kann es zu einem Akustikusneurinom kommen, einem gutartigen Tumor im inneren Gehörgang“, so Dr. Löhler. Nicht zu unterschätzen sei auch die vermeintlich normale Altersschwerhörigkeit. „Eine unbehandelte Presbyakusis erhöht das Risiko an einer Depression zu erkranken, fördert Demenzen, erhöht das Sturzrisiko und führt zu kognitivem Leistungsverlust.“

Nicht nur alte Menschen seien von Schwerhörigkeit betroffen, fährt der HNO-Experte fort. „Dank des 2009 bundesweit eingeführten Neugeborenen-Hörscreening – einer Regelleistung für gesetzliche Krankenversicherte – können Hörstörungen heute bereits frühzeitig erkannt und behandelt werden. Im Ergebnis verbessern sich die Chancen, das vorhandene Restgehör noch während der kritischen Periode des Spracherwerbs zu stimulieren“, so Dr. Löhler. Ausreichend sei das jedoch noch nicht. Erforderlich sei darüber hinaus eine Follow Up-Untersuchung auf Late Onset Hearing Loss.

Auch bei der Schwindeldiagnostik müssen verschiedene mögliche Ursachen abgeklärt werden. „Schwindel kann durch eine Störung der Gleichgewichtsorgane im Innenohr begründet sein. Daneben zählen Erkrankungen der Augen oder des Nervensystems sowie internistische Krankheiten zu den möglichen Ursachen. Selbst Störungen im Kiefergelenk oder der Halswirbelsäule können für ein Schwindelgefühl verantwortlich sein“, erklärt der Facharzt. Bei einer Behandlung des Gleichgewichtsorgans, dem komplexesten Sinnesorgan des Menschen, werden die jeweils fünf Bewegungssensoren pro Seite auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft. Darüber hinaus teste der Arzt das Koordinationsvermögen des Patienten und führe einen Hörtest durch, beschreibt Dr. Löhler. „Nachdem die Ursache abgeklärt wurde, kann der Schwindel gezielt vom HNO-Arzt in der Praxis behandelt werden.“

Wie vielseitig die HNO-Heilkunde ist, lasse sich an zwei weiteren typischen Behandlungsfeldern zeigen. Zum einen seien allergische Erkrankungen auf dem Vormarsch, berichtet Dr. Löhler und rät: „Menschen mit allergischen Symptomen sollten einen HNO-Arzt aufsuchen. In der Praxis kann ihnen dank Differentialdiagnostik und Hyposensibilisierung gut geholfen werden. Wer die Anzeichen einer Allergie ignoriert, setzt sich dem Risiko chronischer Erkrankungen aus. So führen unbehandelte inhalative Allergien zu einer erhöhten Asthma-Rate“, warnt der HNO-Arzt. Zum anderen treffen HNO-Ärzte immer wieder auf Schluckstörungen bei älteren Patienten. Ihre Ursache liege oft in einer Demenz, Parkinson oder anderen gerontoneurologischen Erkrankungen.

„Die aufgezählten Beispiele zeigen, dass die moderne Hals-Nasen-Ohrenheilkunde nicht für sich allein steht, sondern in der Mitte der Medizin verortet ist. HNO-Ärzte behandeln Patienten von jung bis alt. Ihr Tätigkeitsspektrum ist breit gefächert und kommt mit anderen Fachdisziplinen in Berührung. Neben verschiedenen Operationen – vom mikrochirurgischen Eingriff bis zur Tumorchirurgie – gibt es zahlreiche Möglichkeiten zur Spezialisierung“, fasst der im schleswig-holsteinischen Bad Bramstedt praktizierende Arzt zusammen. Der Berufsverband der HNO-Ärzte vermittele Famulatur- und Praktikumsplätze an interessierte Mediziner. Sei die Entscheidung zur HNO-Weiterbildung gefallen, kümmern sich erfahrene Verbandsmitglieder um die Assistenten, ergänzt Dr. Jan Löhler.

Pressemeldung des Dt. Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V. im Rahmen der 49. Fortbildungsveranstaltung für Hals-Nasen-Ohrenärzte vom 29. Oktober bis 31. Oktober 2015, Congress Center Rosengarten in Mannheim