17.10.2014

Hörgerät: Auch teure Geräte müssen Krankenkassen im Bedarfsfall komplett zahlen

Die Versorgung mit Hörgeräten dient dem unmittelbaren Behinderungsausgleich, dementsprechend gilt das Gebot eines möglichst weitgehenden Ausgleichs des Funktionsdefizits. Die gesetzliche Krankenkasse kann sich nur dann auf eine Festbetragsregelung berufen, wenn diese eine sachgerechte Versorgung des Versicherten ermöglicht. Andernfalls muss sie die kompletten Kosten für das erforderliche Hörgerät tragen. Dies entschied in einem kürzlich veröffentlichten Urteil der 8. Senat des Hessischen Landessozialgerichts...

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Die gesetzliche Krankenkasse muss die höheren Kosten für ein besonderes Hörgerät übernehmen, wenn dieses für den Betroffenen wesentlich ist. Die Kasse kann sich dann nicht auf eine Festbetragsregelung berufen. Das hat das Hessische Landessozialgericht (Az.: L 8 KR 52/11) entschieden, wie die Arbeitsgemeinschaft Sozialrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

Der Fall: Ein Mann litt an einer an Taubheit grenzenden Schwerhörigkeit.
Nach einer entsprechenden Testphase wurde ihm ein Hörgerät für rund 4.900 Euro empfohlen, mit dem der Betroffene sogar Telefongespräche führen kann. Die Krankenkasse wollte nur den Festbetrag von rund 1.200 Euro übernehmen. Der Hörgeschädigte erwarb trotzdem das teure Hörgerät. Seinen Antrag auf Erstattung des Differenzbetrages von rund 3.700 Euro lehnte die Krankenkasse ab.

Das Urteil: Das Landessozialgericht in Darmstadt verurteilte die Krankenkasse zur Erstattung des Differenzbetrages. Die Versorgung mit Hörgeräten diene dem unmittelbaren Behinderungsausgleich. Es gelte das Gebot eines möglichst weitgehenden Ausgleichs des Defizits. Die gesetzliche Krankenkasse könne sich nur dann auf eine Festbetragsregelung berufen, wenn diese eine sachgerechte Versorgung des Versicherten ermögliche. Andernfalls müsse sie die kompletten Kosten für das erforderliche Hörgerät tragen.

Quelle: dpa und Pressemitteilung des Hessischen Landessozialgerichts