04.06.2013

Bloß keine Wattestäbchen: Das Ohr reinigt sich selbst

Wattestäbchen, die zur Entfernung von Ohrenschmalz verwendet werden, können im schlimmsten Fall das Trommelfell verletzen. Daher raten HNO-Ärzte vom Einsatz ab. Die Ohren reinigen sich in der Regel selbst bzw. können professionell vom HNO-Arzt gesäubert werden...

Wattestäbchen, Tropfen oder Sprays zum Reinigen der Ohren sind unnötig. Falsch angewendet, seien sie sogar schädlich, warnt Dr. Joachim Wichmann, Vizepräsident des Deutschen Berufsverbandes der Hals-Nasen-Ohrenärzte. Das Ohr reinige sich in der Regel von selbst. Ausnahmen gibt es bei Menschen mit besonders verwinkelten Gehörgängen, Schwimmern oder manchmal auch bei älteren Menschen. Sie sollten sich die Ohren regelmäßig vom HNO-Arzt säubern lassen. Und auch, wenn das Ohrenschmalz im Gehörgang unangenehm ist, sollten Betroffene für eine professionelle Reinigung zum HNO-Arzt gehen. 

Ohrenschmalz setzt sich unter anderem aus altem Zellmaterial und Schweiß zusammen. Feine Härchen im Gehörgang transportieren die Absonderung nach außen zur Ohrmuschel. Die lasse sich leicht und gefahrlos mit lauwarmem Wasser und einem Waschlappen reinigen. Tiefer sollten die Reinigung aber nicht gehen. Eigenhändig mit einem Wattestäbchen im Gehörgang herumzustochern, befreie das Ohr nicht von der Absonderung, sondern schiebe sie nur noch tiefer hinein. Der Gehörgang laufe nach innen spitz zu. "Versuchen Sie mal, einen Trichter mit einem Wattestäbchen zu reinigen. Den verstopfen Sie damit nur", erklärt Dr. Wichmann. Ist der Gehörgang mit Ohrenschmalz verstopft, hilft nur der Gang zum HNO-Arzt. Außerdem durchsteche ein Ohrstäbchen im schlimmsten Fall das Trommelfell. Das sei sehr schmerzhaft. Das Loch wachse manchmal von selbst wieder zu. Andernfalls sei eine Operation notwendig.

Doch manche greifen laut Dr. Wichmann beim Säubern der Ohren nicht nur zu Wattestäbchen, sondern zu weitaus kurioseren Methoden. Einige bohrten sich etwa mit auseinandergeklappten Büroklammern im Gehörgang herum - das sei absolut tabu. Skeptisch sieht er auch eine in Japan populäre Erfindung: Dort ist ein Endoskop für Ohren auf dem Markt. Mit der einen Hand führt der Nutzer eine spitze Nadel in den Gehörgang, um den Ohrenschmalz zu entfernen. In die Nadel ist eine winzige Kamera eingebaut. In der anderen Hand hält er einen kleinen Monitor, der genau zeigt, wie es im Ohr aussieht. Das soll die Gefahr senken, etwa das Trommelfell zu verletzen. Wichmann rät aber dringend von solchen Geräten ab.

Quelle: dpa

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