18.12.2017

Morbus Menière: Schwindelfrei nach schonender Mittelohr-Injektion

Häufige Schwindelattacken von Morbus Menière-Patienten können durch wenige Mittelohr-Injektionen beim HNO-Arzt vielfach geheilt werden. Zur Therapie stehen die beiden Wirkstoffe Gentamicin und Methylprednisolon zur Verfügung, wobei das Steroid Methylprednisolon weniger Nebenwirkungen aufweist – bei vergleichbarer Wirksamkeit wie eine aktuelle Studie aus Großbritannien zeigt. „Viele Morbus Menière-Patienten leiden sehr unter den unerwartet auftretenden, heftigen Schwindelanfällen, die meist mit Übelkeit und vorübergehendem Hörverlust einhergehen. Wenn medikamentöse Maßnahmen allein nicht helfen, ist eine Mittelohr-Injektion eine äußerst effektive Therapieergänzung. Der Eingriff kann ambulant in lokaler Betäubung durchgeführt werden und ist nicht schmerzhaft. Bereits nach wenigen Tagen kommt es in den meisten Fällen zur Reduktion der Schwindelanfälle, bis diese vollständig verschwinden“, auch das Hörvermögen bessert sich, erklärt Prof Dr. Leif Erik Walther vom Deutschen Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte.

Studie zeigt vergleichbare Wirksamkeit von Methylprednisolon und Gentamicin

Der Therapieerfolg der Spritze ins Mittelohr mit Gentamicin ist schon länger belegt. Allerdings greift Gentamicin die Sinneszellen im Gleichgewichtsorgan und Hörorgan an. Zwar können durch Einhalten von Therapieintervallen und Verlaufskontrollen die Gleichgewichtsfunktion und das Hörvermögen erhalten bleiben, aber ein gewisses Restrisiko besteht“, so der niedergelassene Schwindel-Experte aus Sulzbach im Taunus. Unter Methylprednisolon treten diese Risiken nicht auf. Jedoch war die Wirksamkeit dieses kortisonähnlichen Wirkstoffs bislang umstritten.

Eine aktuelle britische Vergleichsstudie mit 60 Teilnehmern attestiert Methylprednisolon nun eine genauso gute Wirksamkeit wie Gentamicin. Die Wissenschaftler vom Imperial College London berichten, dass die Zahl der Schwindelattacken in der Gentamicin-Gruppe innerhalb von sechs Monaten von 19,9 auf 2,5 zurückging (Rückgang um 87%) und in der Methylprednisolon-Gruppe sogar von 16,4 auf 1,6 Schwindelattacken (Rückgang um 90%). Der Rückgang zeigte sich in der Regel bereits nach zwei Injektionen. „Die Studie ist eine gute Nachricht für viele Betroffene. Somit können wir HNO-Ärzte unseren Menière-Patienten eine noch schonendere wirksame Therapie anbieten“, kommentiert Prof. Dr. Walther die Studienergebnisse.

Mögliche Menière-Anzeichen früh beim HNO-Arzt abklären lassen

Bei einem Morbus Menière kommt es zu einem Ungleichgewicht der Innenohrflüssigkeiten, was die charakteristischen Krankheitszeichen nach sich zieht. „Wer unter wiederholten Schwindelattacken mit Hörbeeinträchtigungen und Ohrgeräuschen leidet, sollte sich daher umgehend bei einem Hals-Nasen-Ohrenarzt vorstellen. Eine frühzeitige Abklärung und Behandlung ist für Menière-Patienten sehr wichtig, um die Beschwerden deutlich zu lindern, was die Betroffenen auch psychisch entlastet und ihre Lebensqualität steigert“, betont Prof. Dr. Walther.

Patel M. et al.: Intratympanic methylprednisolone versus gentamicin in patients with unilateral Ménière's disease: a randomised, double-blind, comparative effectiveness trial, The Lancet, Volume 388, No. 10061, p2753-2762, 3 December 2016, DOI: dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(16)31461-1http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(16)31461-1

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