08.09.2017

Hörgeräte sind heutzutage modern und klein

Es beginnt meist mit dem, was Fachleute eine Partyschwerhörigkeit nennen: Gläser klirren, Musik wummert aus den Boxen, irgendwo knistert Geschenkfolie - dann spricht einen jemand an. "Wie bitte? Was haben Sie gesagt?" - Es ist aber auch laut hier, denkt sich, wer solche Nachfragen stellen muss. Doch Situationen wie diese sind ein erster Hinweis darauf, dass das eigene Gehör langsam nachlässt, warnt Dr. Michael Deeg vom Deutschen Berufsverband der HNO-Ärzte.

Viele wollen das nicht wahrhaben. Von 100 Menschen, die selbst das Gefühl haben, schlecht zu hören, suchen einer europaweiten Erhebung zufolge zwar 72 einen Arzt auf und 51 bekommen ein Rezept für ein Hörgerät, aber nur 39 gehen dann tatsächlich zum Akustiker und lassen sich dort ein Gerät anpassen. Hörgeräte, so scheint es, genießen immer noch keinen guten Ruf. "Viele haben die Vorstellung, dass dann ein riesiges, hautfarbenes Ding an ihrem Ohr baumelt", sagt Dr. Stefan Zimmer, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes der Hörgeräte-Industrie (BVHI). Doch ein Blick auf die modernen Geräte
zeigt: Das stimmt schon lange nicht mehr.

"Die Geräte sind viel kleiner geworden", bestätigt HNO-Arzt Dr. Deeg. Und auch das Hören ist heute deutlich komfortabler als früher. "Moderne Hörgeräte lassen sich sehr genau einstellen und ermöglichen komfortables Hören." Die Zeiten, in denen Schwerhörige permanent ein Piepen oder Rauschen im Ohr hatten, sind längst vorbei.

Betroffene können zwischen zwei Arten von Hörgeräten wählen:

  • Im-Ohr-Hörgeräte (IdO)
    Hier befindet sich die Technik im Gehörgang. Es gibt unterschiedliche IdOs, die entweder in der Ohrmuschel sitzen oder vollständig im Ohr verschwinden. Grundsätzlich ist ein IdO eine Maßanfertigung. Die optisch unauffälligen Höregräte sind allerdings nicht für jeden geeignet. Es kann zum Beispiel sein, dass das Ohr zu klein für ein solches Gerät ist.
  • Hinter-dem-Ohr-Hörgeräte (HdO)
    Hier wird die Technik hinter dem Ohr platziert. Der Schall wird bei HdOs hinter dem Ohr aufgenommen und über einen Schallschlauch ins Ohr transportiert. Es gibt aber auch Varianten, bei denen sich der Lautsprecher im Gehörgang befindet, sogenannte Receiver in Channel-, kurz RiC-Hörgeräte.

Welches Gerät für den Einzelnen das Richtige ist, findet man am besten aufgrund der Empfehlung des HNO-Arztes gemeinsam mit einem Hörgeräte-Akustiker heraus. Das Gerät wird dann getestet und individuell auf die Bedürfnisse des schwerhörigen Patienten eingestellt. Der Patient soll sich nach und nach daran gewöhnen, wieder besser zu hören. Außerdem verfügen auch die Standardmodelle über mehrere Kanäle für unterschiedliche Situationen: Im Büro etwa ist die Geräuschkulisse eine andere als zu Hause. So kann der Patient sein Gerät je nach Situation optimal einstellen.

Wer eine Verordnung vom HNO-Arzt hat, bekommt das Gerät weitgehend erstattet. "Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen bereits die Kosten für sehr gute digitale Geräte", erklärt Dr. Zimmer. Alle sechs Jahre besteht Anspruch auf ein neues Modell. Nur wer Wert auf technische Finessen (z.B. automatische Einstellung von Situationen aufgrund von GPS-Daten, Bluetooth-Schnittstelle und App-Steuerung) oder mehr Komfort legt, muss in die eigene Tasche greifen.

Lässt das eigene Gehör nach, sollte der erste Weg zum Facharzt führen. Der HNO-Arzt führt eine umfangreiche Diagnostik durch und verordnet bei Bedarf ein Hörgerät. Es gibt aber auch Höreinschränkungen, die sich nicht mit einem Hörgerät behandeln lassen. Beispielsweise kann eine chronische Mittelohrentzündung die Gehörknöchelchen zerstören, erklärt Dr. Deeg. Diese entzündlichen Veränderungen kann der HNO-Arzt bei einer OP beseitigen. Das verhindert die fortschreitende Zerstörung des Gehörs. Hinterher ist das Gehör in der Regel wieder hergestellt. Ein Hörgerät ist dann gar nicht notwendig.

Quelle: dpa, äin-red

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