25.05.10

Cochlea-Implantat: Mehr Sprechkompetenz bei früher Versorgung

Der Erfolg eines Cochlea-Implantats bei Gehörlosen ist besonders vielversprechend, wenn es im Säuglings- bzw. frühen Kleinkindalter eingesetzt wird. Sprachverständnis und Sprechkompetenz entwickeln sich einer amerikanischen Studie zufolge am besten, wenn die Kinder vor dem 18. Lebensmonat operiert werden. Die Studie ist in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins JAMA veröffentlicht.

Viele Kinder mit angeborener Gehörlosigkeit werden heute mit einem Cochlea-Implantat versorgt. Es besteht aus einem Mikrofon und einem digitalen Sprachprozessor, der die akustischen Signale in elektrische Impulse umsetzt, die über das eigentliche Cochlea-Implantat an jene Stelle der Gehörschnecke abgegeben werden, die auch durch den natürlichen Schall erregt werden würde. Die dadurch ausgelöste Hörerfahrung hilft Kindern beim Erwerb der Sprache, deren Entwicklung wesentlich auf die Rückmeldung durch das Hören angewiesen ist. Das Fenster für einen normalen Spracherwerb beginnt sich allerdings früh zu schließen, erklärt John Niparko von den Johns Hopkins Medical Institutions in Baltimore, der die Ergebnisse der Studie „Childhood Development after Cochlear Implantation" ausgewertet hat. In dieser Studie wurde die Sprachentwicklung von 188 Kindern mit schwerer Schallempfindungs­schwerhörigkeit, die vor dem 5. Lebensjahr ein Cochlea-Implantat erhalten hatten, mit der Sprachentwicklung von Kindern ohne Hörstörungen verglichen.

Zunächst einmal beschleunigte das Cochlea-Implantat den Spracherwerb bei allen tauben Kindern. Wie schnell sie bestimmte Ziele in der Sprachentwicklung erreichten, hing aber sehr stark vom Alter zum Zeitpunkt der Implantation ab. Einen Meilenstein des Sprachverständnisses, den Kinder ohne Hörprobleme im Alter von etwa 27 Monaten erreichen, können Gehörlose mit einer Implantation vor dem 18. Monat bereits im Alter von 3 Jahren erzielen. Sie profitierten in der Untersuchung sowohl beim Sprachverständnis als auch beim Sprechen selbst. Erfolgt die Implantation erst nach dem 3. Lebensjahr, ist es für die Kinder deutlich schwieriger die gleiche Sprachkompetenz zu erwerben.

Laut Niparko reicht ein Cochlea-Implantat allein allerdings nicht aus, um die Sprachentwicklung der Kinder zu fördern. Wichtig ist auch, mit welcher Intensität die Betreuer mit dem betroffenen Kind kommunizieren. Dies gilt aber nicht nur für Gehörlose. Auch normal hörende Kinder können in der Entwicklung zurückbleiben, wenn die Eltern zu wenig mit ihnen reden.

Quelle: www.aerzteblatt.de

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