03.09.10

Bei Sprachauffälligkeiten Gehör untersuchen lassen

Zeigen Kleinkinder Sprachauffälligkeiten, sollten Eltern vom HNO-Arzt überprüfen lassen, ob ihr Kind gut hören kann. „Ein gut funktionierendes Gehör ist die Voraussetzung für eine gesunde Sprachentwicklung. Erhält das Gehirn keine akustischen oder zu wenige akustische Reize kann das Kind nicht normal sprechen lernen. Es gibt verschiedene Ursachen, die für ein beeinträchtigtes Gehör in Frage kommen und nur vom HNO-Arzt oder Phoniater sicher erkannt werden", erklärt Dr. Matthias Lohaus, vom Dt. Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte. „Eine aufmerksame  Beobachtung der Eltern sowie die Wahrnehmung aller gesetzlich angebotenen Höruntersuchungen, angefangen mit dem Neugeborenen-Hörscreening, helfen bei der Früherkennung einer etwaigen Schwerhörigkeit", so Dr. Lohaus weiter.

Bei vielen Kleinkindern führt z.B. eine vergrößerte Rachenmandel, auch als „Polypen" bezeichnet, zu einer Beeinträchtigung des Gehörs. Auffällig ist hierbei eine verstärkte Mundatmung und nächtliches Schnarchen. „Bei den betroffenen Kindern sammelt sich häufig Flüssigkeit im Mittelohr an. Dieser so genannte Paukenerguss wird im Rahmen der Rachenmandel-Entfernung abgesaugt. In einigen Fällen wird dabei auch ein so genanntes Paukenröhrchen gesetzt, dass die Belüftung des Mittelohrs garantiert", erläutert der Berliner Landesvorsitzende vom HNO-Berufsverband. Die ambulante Entfernung der Rachenmandel und das Setzen eines Paukenröhrchens sind heutzutage Routine-Operationen in der HNO-Arztpraxis, mit der große Erfolge bei der weiteren Sprachentwicklung erzielt werden.

Kann der HNO-Arzt mögliche Hörschädigungen als Ursache für die Sprachauffälligkeiten ausschließen oder bestehen nach der Behebung der Hörschädigung noch Sprachprobleme, wird er dem Patienten eine logopädische bzw. sprachtherapeutischen Behandlung empfehlen und eine entsprechende Versorgung ausstellen.

Laut des Deutschen Bundesverbandes für Logopädie entwickelt etwa jedes zehnte Kind eine  behandlungsbedürftige Sprachstörung. Dabei spielt es keine Rolle, mit welcher Muttersprache das Kind aufwächst oder ob es mehrere Sprachen gleichzeitig lernt. Insbesondere bei Kindern mit Migrationshintergrund kommt es jedoch vor, dass die Mehrsprachigkeit oder auch eventuelle soziale Probleme als Ursache für sprachliche Auffälligkeiten gehalten, und die Kinder deshalb nicht zu einer Diagnostik beim Experten geschickt werden. Dies kann schwerwiegende Folgen für die weitere Sprachentwicklung und letztlich für den schulischen Erfolg dieser Kinder haben. Deshalb ist es wichtig, Sprachauffälligkeiten inklusives des Hörvermögens grundsätzlich abklären zu lassen.

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