Behandlung eines chronischen Tinnitus

Je früher der Tinnitus behandelt wird, desto größer sind die Heilungs- bzw. Linderungschancen. Ist der Tinnitus erst einmal chronisch, besteht das Behandlungsziel vor allem darin, die Lebensqualität des Patienten zu verbessern und den belastenden Zustand bestmöglich zu kompensieren. Es existieren verschiedene Behandlungsansätze, wobei vor allem für eine akustische Stimulation gesicherte Ergebnisse vorliegen. D.h. der Tinnitus-Patient braucht Höranreize, sonst erhöht sich der Leidensdruck enorm. Hier können die Versorgung mit Hörhilfen, Rauschgeräte und ein Hörtraining im Rahmen einer Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) helfen, wobei die vom HNO-Arzt empfohlene Behandlung sich immer am Leidensdruck und der Persönlichkeitsstruktur des Tinnitus-Patienten orientieren wird. Sehr wichtig ist auch ein ausführliches Aufklärungsgespräch bezüglich des Tinnitus unter Berücksichtigung der persönlichen Krankengeschichte sowie der möglichen Therapieoptionen, um den Patienten zu einem informierten Umgang mit dem Ohrgeräusch zu motivieren.

Hörhilfen & Rauschgeräte – Tinnitusmasker und Noiser

Sogenannte Rauschgeräte (z.B. Tinnitusmasker oder Noiser), die wie Hörgeräte am Ohr getragen werden, helfen, das störende Ohrgeräusch mit einer umfassenden Frequenz zu übertönen bzw. davon abzulenken. Das Gerät ist bevorzugt, am Abend und beim Einschlafen zu tragen. Der Tinnitusmasker übertönt das Tinnitus-Geräusch komplett, während der Noiser mit Geräuschen vom eigentlichen Tinnitus ablenken will und dazu beitragen soll, das Gehirn umzutrainieren.

Schwerhörige sollten frühzeitig mit einem Hörgerät oder Cochlea-Implantat versorgt werden, damit sie wieder vermehrt Töne aus der Umwelt wahrnehmen und auf diese Weise den Tinnitus zurückdrängen. Es gibt inzwischen moderne Kombinationsgeräte, die sowohl als Noiser als auch als Hörhilfe benutzt werden können. 

Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT)

Die umfassende Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) hilft vielen Betroffenen, besser mit dem ständigen Ohrgeräusch zu leben. Diesem Behandlungsansatz liegt gemäß ihrer Begründer Pavel Jastreboff (USA) und Jonathan Hazell (England) die Annahme zugrunde, dass es sich bei einem Tinnitus um eine Verarbeitungsstörung von Höreindrücken handelt, die mit negativen Gedanken und Impulsen verbunden sein kann.

Nach Jastreboff und Hazell hat jeder Mensch grundsätzlich eine gewisse Tinnitus-Bereitschaft, die das Hirn im Normalfall unterdrückt oder wegfiltert. Wenn das Blockadesystem aufgrund der Verarbeitungsstörung nicht mehr richtig funktioniert, kommt es zu den Geräuschen. Ziel des Retrainings ist es, dass der Patient seinen Tinnitus überhaupt nicht mehr oder zumindest nicht mehr als störend wahrnimmt („Entmystifizierung“). In einem Umlernprozess (Retraining) wird die Filterfunktion wiederhergestellt. Die Verarbeitung aller Geräusche soll mit einem ganzheitlichen Therapiekonzept, das aus vier Behandlungselementen besteht, normalisiert werden:

  • Beratung und Aufklärung durch den HNO-Arzt, Erarbeitung eines Behandlungskonzeptes, das gleichermaßen von Patient und Arzt getragen wird.
  • Hörtraining (Habituationstraining): mit Hilfe von Übungen zur Hörwahrnehmung lernt man das selektive Hören. Störende Geräusche sollen nach einiger Zeit überhört werden. Entspannungstechniken und Musiktherapie werden ergänzend eingesetzt.
  • Ein Psychotherapeut erarbeitet mit dem Betroffenen etwaige Ängste sowie Probleme im privaten oder beruflichen Umfeld. Er hilft, eine positive Einstellung zu dem Tinnitus zu finden und den Körper neu wahrzunehmen (Kognitive Verhaltenstherapie).
  • Eventuell ist der Einsatz eines Rauschgeräts (Noiser) bis zum Einsetzen eines Trainingseffektes (etwa nach zwei Monaten bis zu einem Jahr) sinnvoll.

Für ein ambulant durchgeführtes Retraining sollte man sich auf eine Gesamtdauer von etwa 18 Monaten einstellen.

Quellen:

  • B. Mazurek, G. Hesse, „Aktueller Stand der Tinnitusforschung und -therapie“, HNO, 1-2, 2010
  • S1-Leitlinie „Tinnitus“, 2009 (derzeit in Überarbeitung)

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