Formen der chronischen Speicheldrüsenentzündung

Eine chronische Speicheldrüsenentzündung kann durch immunpathologische Reaktionen, d.h. durch ein gestörtes Abwehrsystem, und sekundär durch Keime ausgelöst werden, aber auch durch andere Ursachen, z.B. eine bestehende Grunderkrankung, bedingt sein. Verschiedene Risikofaktoren wie ein gestörter Speichelfluss können die anhaltende Infektion begünstigen.

Chronisch wiederkehrende Parotitis = häufigste Sialadentitis der Ohrspeicheldrüse

Hierbei handelt es sich um bakteriell bedingte, in Schüben wiederkehrende (rezidivierende) Ohrspeicheldrüsenentzündungen (Parotitis), deren Entstehung bislang nicht vollständig geklärt ist. Die Sekretbildung ist gestört. Die Drüsengänge sind krankhaft erweitert und ähneln einem belaubten Baum.

Während bei Kindern eine folgenlose Ausheilung meist während der Pubertät erfolgt, kommt es bei Erwachsenen im Spätstadium zu narbigen Veränderungen des Gewebes (entlaubter Baum). Zwischen den Entzündungsschüben treten keine Beschwerden auf.

Chronisch wiederkehrende Sialadenitis der Unterkieferdrüse

Diese häufigste Form der chronischen Entzündung ist ebenfalls wissenschaftlich bisher nicht gänzlich erklärbar. Meist liegt eine Gangverstopfung durch Speichelsteine mit gestörtem Speichelfluss vor. Es kommt zu tumorartigen Verhärtungen der Unterkieferdrüse, so dass die Abgrenzung von einem echten Tumor schwer fällt. Man spricht daher auch von einem Küttner-Tumor oder einer chronisch sklerosierenden Sialadenitis.

Weiter tritt häufiger die obstruktive (Elektrolyt-)Sialadenitis der Unterkieferdrüse durch verengte Ausführungsgänge bei Speichelsteinen, Zahnerkrankungen oder schlecht sitzenden Zahnprothesen auf. Der Speichel ist bei dieser Form der chronischen Speicheldrüsenentzündung äußerst zäh, viskos.

Strahlensialadenitis

In Folge einer Strahlentherapie im Kopf- und Halsbereich oder einer Radio-Jod-Behandlung bei Schilddrüsenerkrankungen wird die Schleimhaut - abhängig von der Dosis - vorübergehend oder dauerhaft geschädigt. Verminderte Speichelbildung sowie Mundtrockenheit sind die Folge der Strahlensialadenitis.

(Auto)Immun-Sialadenitis

Hierbei handelt es sich um fehlerhafte Reaktionen des körpereigenen Immunsystems, die u.a. die Speicheldrüsen in Mitleidenschaft ziehen:

Bei dem Sjögren-Syndrom greifen die körpereigenen Immunzellen die Speichel- und Tränendrüsen aus ungeklärter Ursache an und hemmen deren Funktionen. Die Speichelproduktion versiegt nach und nach. Es kommt zu Entzündungen und Mundtrockenheit. Das Sjögren-Syndrom tritt nicht selten in Verbindung mit einer rheumatischen Erkrankung, vor allem der rheumatoiden Arthritis, auf. Betroffen sind überwiegend Frauen (80%) ab dem 40. Lebensjahr.

Bei dem Heerfordt-Syndrom handelt es sich ebenfalls um einen Autoimmunvorgang, der zu einer chronischen Entzündung von Ohrspeichel- und Tränendrüsen führt und vorwiegend junge Frauen befällt. Auch die Regenbogenhaut des Auges kann betroffen sein. Meist steht das Heerfordt-Syndrom in Zusammenhang mit einer Sarkoidose. Hierbei bilden sich kleine Knötchen (Granulome) im gesamten Bindegewebe.

Infektiös-granulomatöse Sialadenitis

Bei dieser Form der chronischen Speicheldrüsenentzündung verändert sich das Gewebe krankhaft und bildet Geschwulste, was als granulomatös bezeichnet wird. Sie wird hervorgerufen durch:

  • Tuberkulose (Infektionen der Kopf-Hals-Region treten bei etwa 15% aller Tuberkulose-Patienten auf, ein Befall der Speicheldrüsen ist höchst selten)
  • Aktinomykose (sehr seltene Strahlenpilz-Krankheit, ausgelöst durch Bakterien, die fadenförmige Zellen bilden)
  • Katzenkratz-Krankheit (durch Katzenbisse- oder -kratzer auf den Menschen übertragene Virus-Erkrankung)

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