Schwindel - die häufigsten Formen

Je nach Ursache und Auftreten gibt es unterschiedliche Formen von Schwindel. Deren genaue Abklärung und Diagnose ist enorm wichtig - allen voran, um eine adäquate Behandlung durchführen zu können.

Lagerungsschwindel

Wie der Name bereits andeutet, tritt der Lagerungsschwindel überwiegend bei Lageveränderungen des Kopfes auf – beispielsweise beim Seitwärtsneigen des Kopfes oder beim Umdrehen des Nachts im Bett. Typisch für den Lagerungsschwindel sind die sehr kurzen, meist nur für Sekunden bestehenden Schwindelanfälle. Dabei erscheint es den Betroffenen, als würde sich ihre gesamte Umgebung schnell um sie drehen. Dazu gesellen sich meist noch Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen sowie Angstempfindungen.

Hintergrund des Lagerungsschwindels ist die so genannte Canalolithiasis. Dabei haben sich von den Sinnesfeldern der Vorhofsäckchen winzige Kalzitsteinchen gelöst, die dann in die Bogen-gänge verlagert werden können. In der Lymphflüssigkeit schwimmend. reizen sie mit ihrem Gewicht die Sinneszellen in den Bogengängen und lösen damit fälschlicherweise Aktionspotenziale (Drehschwindel) aus. Diese übermitteln dem Gehirn dann Informationen, die nicht mit der tatsächlichen Körperlage und aufgenommenen Sehreizen übereinstimmen. Auf diese Weise kommt es schließlich zu dem typischen Drehschwindel.

Die Ablösung der Kalzitsteinchen und Verlagerung in der Bogengänge tritt nach Kopfverletzun-gen, aber auch im Zuge des Alterungsprozesses auf – der Grund, weshalb diese Schwindelform bei älteren Menschen wesentlich häufiger ist als bei jungen. Der Peak liegt zwischen dem 60. und dem 80. Lebensjahr, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer.

Ein aktives „Befreiungsmanöver“ kann den Patienten schnell von den Beschwerden erlösen.Der zwar ebenfalls unangenehme, aber harmlose Lagerungsschwindel verschwindet sonst auch binnen einiger Wochen bis Monate wieder von allein.

Anhaltender Drehschwindel

Diese Form kann mit einer heftigen Attacke beginnen und über Stunden oder Tage anhalten. Die Betroffenen haben das Gefühl, alles um sie herum drehe sich. Sie leiden unter starker Übelkeit mit Erbrechen, Nystagmus sowie einer ausgeprägten Fallneigung. Weiterhin besteht ein schweres Krankheitsgefühl. Die Beschwerden bestehen auch in Ruhe und im Liegen. Sie werden durch rasche Positionsänderungen und Bewegungen verstärkt.

Ursache für anhaltenden Drehschwindel ist sehr häufig eine Entzündung des Gleichgewichtsnervs, medizinisch Neuritis vestibularis genannt. Er tritt überwiegend zwischen dem

50. und 60. Lebensjahr und häufiger bei Frauen als bei Männern auf. Durch die Entzündung fällt das Gleichgewichtsorgan vorübergehend einseitig aus und die zur Raumorientierung erforderlichen Informationen werden dem Gehirn nicht mehr übermittelt. Auslöser der Neuritis vestibularis ist vermutlich eine Virusinfektion. In der Regel klingen die Beschwerden nach ein bis zwei Wochen wieder ab.

Eine weitere, allerdings seltenere Ursache des anhaltenden Drehschwindels sind Schäden an zentralen Strukturen des Gehirns, unter anderem durch Hirntumore, Nervenläsionen oder lokale Durchblutungsstörungen.

Anfallartiger Drehschwindel / Morbus Menière

Der anfallartige Drehschwindel wird auch Attackenschwindel genannt. Es handelt sich um eine Form des Schwindels, die akut von einem Moment auf den anderen einsetzt und in der Regel nur Sekunden bis wenige Minuten anhält - daher auch der Name. Während des Schwindelanfalls kommt es zu einem starken Drehgefühl, das oft auch mit Übelkeit einhergeht. Ebenso besteht eine ausgeprägte Fallneigung.

Ursache für diese Schwindelform kann unter anderem die so genannte Menière-Krankheit (Morbus Menière) sein. Hierbei ist die Bildung der Lymphflüssigkeit im Innenohr, die Endolymphe, zu stark ausgeprägt. Es kommt zu einem Lymphstau und in Folge zu einem Überdruck im Innenohr. Dies führt zum Einreißen der feinen Membranen, mit denen die verschiedenen Räume des Innenohrs voneinander abgetrennt sind. Durch die Risse können plötzliche Verlagerungen der Flüssigkeiten im Innenohr auftreten, die dann als Falschmeldungen zum Gehirn weitergeleitet werden. Beim Morbus Menière stellt sich während der Schwindelattacken oftmals auch eine Schwerhörigkeit ein, die Stunden aber auch Tage anhalten kann. Weitere Anzeichen sind Ohrgeräusche (Tinnitus), Schweißausbrüche, Erbrechen und Druck auf dem erkrankten Ohr. Die Menière-Krankheit tritt meist zwischen dem 45. und 60. Lebensjahr auf. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. In vielen Fällen heilt die Erkrankung binnen 5 Jahren spontan ab, dennoch sollte auf eine ärztliche Beratung und Behandlung aufgrund des hohen Leidensdrucks und möglicher Komplikationen nicht verzichtet werden.

Andere Ursachen für Attackenschwindel können neben Morbus Menière Multiple Sklerose, Durchblutungsstörungen im Gehirn sowie bei jungen Erwachsenen auch Migräne sein.

Schwankschwindel / Psychogener Schwindel / Bewegungsschwindel

Schwankschwindel ist gekennzeichnet durch plötzlich einsetzende Unsicherheiten im Stand und beim Gehen im Verbund mit einer ausgeprägten Fallneigung und Benommenheit. Charakteristisch sind weiterhin starke Angstgefühle. Symptome wie Übelkeit, Erbrechen oder Schwarzwerden vor den Augen treten bei Schwankschwindel dagegen selten auf. Die einzelnen Anfälle dauern meist nur für Sekunden an.

Die häufigsten Ursachen dieser Schwindelform liegen in der Psyche begründet. Nicht von ungefähr wird Schwankschwindel häufig auch als psychogener Schwindel bezeichnet. Sein Beginn fällt in der Regel in den gleichen Zeitraum, in dem der Betroffene starken psychischen Belastungen ausgesetzt war. Weiterhin findet sich eine auffällige Häufung von Angststörungen und Depressionen unter Patienten mit Schwankschwindel. Da die Anfälle als sehr bedrohlich empfunden werden, leiden die Betroffenen noch zusätzlich unter der Angst vor der nächsten Attacke. Diese setzt vielfach in ganz bestimmten, mitunter bereits angstbesetzten Situationen ein. Das können wichtige Termine wie Vorträge oder Besprechungen im Berufsleben, Aufenthalt in großer Höhe, Aufzug fahren oder Fliegen sein.

Schwankschwindel stellt sich bei Frauen bevorzugt zwischen dem 30. und 40., bei Männern ein Jahrzehnt später zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr ein. Es kann sein, dass dem psychogenen Schwindel eine körperliche Erkrankung voran gegangen ist, zu deren Symptomen auch Schwindelanfälle gehörten. Die Angst vor dem erneuten Erleben des Schwindels verstärkt dann später das Risiko, einen Schwankschwindel zu entwickeln. Deshalb spricht man beim psycho-genen Schwindel mitunter auch vom phobischen (von Phobie = Angst) Schwindel.

Mit zum Schwankschwindel gehört der so genannte Bewegungsschwindel. Er wird visuell ausgelöst, wenn der Seheindruck und die Bewegungswahrnehmung fehlerhaft miteinander abgeglichen werden. Zu diesen Kinetosen zählt man die See-, Reise- und Flugkrankheit. Eine Sonderform davon sind die Pseudokinetosen, die bei großflächigen Sehreizen wie in Großleinwandkinos oder Flugsimulatoren auftreten können. Dazu kommt es, indem visuell intensive Bewegungsreize aufgenommen werden, die dabei zu erwartende Körperbeschleunigung jedoch ausbleibt.

Zentraler Schwindel

Bei den zentralen Formen von Schwindel sind die Ursachen stets in Schädigungen des Gehirns zu finden. Dabei kann es sich beispielsweise um Hirntumore, Gehirnhautentzündungen, Schädel-Hirn-Traumata oder auch einen Schlaganfall handeln. Bei jüngeren Betroffenen kann zentraler Schwindel häufig durch eine Multiple Sklerose bedingt sein.

Die Schwindelanfälle treten plötzlich für mehrere Sekunden oder Minuten auf und gehen vielfach mit Schluck- und Sprachstörungen, eingeschränkter Sehkraft sowie mit Lähmungsempfindungen im Gesicht und an den oberen Extremitäten einher. In einigen Fällen, etwa wenn die Ursachen Tumore oder ein Schlaganfall sind, kann zentraler Schwindel auch über Stunden bis Tage hinweg bestehen bleiben.

 

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